Gelesen, gesehen, gehört.....

An dieser Stelle werden Sie regelmäßig Beitrage, Rezensionen oder Kritiken über Bücher und Filme finden.


 Herbstkonferenz des Liebenberger Freundeskreises und Mitgliederversammlung am 16.11.2014 (Christa Schneider)

 

Es hatten sich wie in jedem Jahr viele Freunde und Gäste im Schloss Liebenberg versammelt, um nach der Vorstandswahl bei Kaffee und Kuchen gemütlich zusammen zu sitzen. Nach einem Einführungsvortrag von Hans Coppi über das Leben von Liane Berkowitz, die im August 1923 nach der Flucht der Familie aus Russland in Berlin geboren wurde. Sie besuchte verschiedene Schulen, zuletzt ein Abendgymnasium, in dem, im Gegensatz zu den meisten anderen Schulen der damaligen Zeit, ein Klima der relativ freien politischen Diskussion herrschte. Dort lernte sie Menschen kennen, die intensiv über die nationalsozialistische Situation diskutierten, gegen die alle  Mitglieder eingestellt waren. So entstanden Kontakte zum Widerstandsnetz um Harro und Libertas Schulze-Boysen. Im September 1942 wurde Liane Berkowitz verhaftet, nachdem sie und viele andere gegen eine Propagandaausstellung der Nazis im Mai 1942 protestiert hatten. Im  Januar 1943 verurteilte sie das Reichskriegsgericht sie und andere an der Aktion beteiligten Freunde wegen „Beihilfe zur Vorbereitung des Hochverrats  und zur Feindbegünstigung“ zum Tode. Als Liane verhaftet wurde, war sie im dritten Monat schwanger. Sie wurde in ein Frauengefängnis verlegt, um dort die Geburt ihres Kindes abzuwarten. Sie brachte ein Mädchen zur Welt, das  wenige Tage nach der Geburt unter ungeklärten Umständen verstarb. Hitler persönlich hatte die Begnadigung von Liane Berkowitz abgelehnt und so wurde sie 2 Tage vor ihrem 20. Geburtstag am  5. August 1943 in der Hinrichtungsstätte Plötzensee durch das Fallbeil hingerichtet.

Über das Schicksal dieser jungen Frau  haben sich die Abiturienten der Anna-Freud-Schule in Berlin viele Gedanken gemacht und sich gefragt, wie sie wohl gehandelt hätten. Aus dieser Überlegung heraus haben sie recherchiert und sich ausgetauscht darüber, was sie besonders berührt hat  und das Ergebnis war eine großartige Theateraufführung  der Schüler. „Damit wir nicht vergessen“ haben sie es genannt. Man merkte deutlich, wie intensiv sich die Theatergruppe mit der Zeit des Nationalsozialismus und dem Thema Widerstand auseinandergesetzt haben. Es war sehr berührend und emotional für die Gäste und sie dankten es dem  jungen Team mit viel Applaus.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit dem bekannten und beliebten Trio Ralf Berkes, Bringfried Löffler und Michael Schenk. Sie sangen und spielten Lieder „Zwischen Trauer und Hoffnung“. Ernst, melancholisch, frech, traurig und spöttisch, zitierten Gedichte zum  Nachdenken und Lachen. Danke dafür.

 


 

Erinnern und Gedenken (Hans-Michael Meyer-Sebastian)

Unter dieser Überschrift fand am 12.November 2013 im Bundesministerium der Finanzen eine Veranstaltung zum Gedenken an eine Konferenz vor genau 75 Jahren  im damaligen Reichsluftfahrtministerium statt. Wenige Tage nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 hatte Hermann Göring in seiner Eigenschaft als Beauftragter für den Vierjahresplan, mit dem nicht zuletzt der Krieg wirtschaftlich vorbereitet wurde, zu einer Besprechung eingeladen, deren Protokoll (mit kleineren Lücken) erhalten geblieben ist und an der Vertreter aller Ministerien, darunter Reichspropagandaminister Goebbels, Wirtschaftsminister Funk, Finanzminister Graf Schwerin von Krosigk sowie  der Chef der Sicherheitspolizei und des SD der SS Heydrich teilgenommen haben. Die Konferenz war

darauf angelegt, die Juden nicht nur völlig aus dem Wirtschaftsleben heraus zu drängen, d.h. also auf die „Arisierung“ der Wirtschaft, sondern ihnen auch eine Kontribution in Höhe von 1 Mrd. Reichsmark aufzuerlegen und sie ihrer Versicherungsansprüche zugunsten der Staatskasse zu berauben. Tatsächlich wurde der staatliche Raubzug in der Folge der Konferenz in zahlreichen Gesetzen und Verordnungen umgesetzt, die den Juden in Deutschland die wirtschaftlichen und sozialen Existenzgrundlagen entzogen.

 

Der Schauspieler Frank Arnold las auf der Veranstaltung „Erinnern und Gedenken“

Auszüge aus dem perfiden Protokoll der Sitzung vom 12.November 1938. Dabei ging es natürlich in erster Linie um die Konfiszierung jüdischen Vermögens, aber z.B. auch um die „persönliche Kennzeichnung des Juden“ durch ein „bestimmtes Abzeichen“, die Beschränkung des „Juden auf einen bestimmten Kundenkreis“, z. B. bei Ärzten, Rechtsanwälten und Friseuren und um den Entzug „aller persönlichen Berechtigungen wie Zulassungsscheine und Führerscheine“ und auch um die Benutzung von Speise- und Schlafwagen von Juden.

 

Bundesminister Schäuble wies danach in seiner Rede nachdrücklich darauf hin, dass Enteignung und „Arisierung“ jüdischen Eigentums elementarer Bestandteil der Vernichtung der deutschen Juden waren, bei der die Finanzverwaltung ein zentraler Akteur war und wobei sich Raub und Mord in scheinlegale Formen kleideten. Das Mitglied der Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Reichsfinanzministeriums, Prof. Dr. Patrick Wagner von der Universität Halle-Wittenberg wies auf die zunehmende politisch-administrative Radikalisierung und die Umsetzung der Leitlinien der Besprechung vom 12.November 1938 in „administrative Verbrechen“ und die nachfolgende Einrichtung der „Reichszentrale für jüdische Auswanderung“ von Gestapo und SD unter Adolf Eichmann hin, die sich später als Nukleus des Deportations- und Vernichtungsapparates der Nazis erweisen sollte.

 

Der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Prof. Dr. Salomon Korn stellte eindrucksvoll dieArisierung“ jüdischen Eigentums in den Gesamtzusammenhang des Ausschlusses der Juden aus dem Wirtschafts-, Arbeits- und Kulturleben, der bereits 1933 eingesetzt hatte und der nicht heimlich vor sich ging, sondern für jedermann sichtbar in Gesetze und Verordnungen gegossenes Unrecht darstellte. Korn stellte fest, dass die Bereicherung an der Judenverfolgung quer durch alle Schichten ging, das reichte von der Säuglingsflasche aus Jenaer Glas über Besteck, Möbel und Hausrat bis zur Neubesetzung frei gewordener Beamtenstellen. Begleitet wurde dies alles vom Verstummen der öffentlichen Stimmen der deutschen Juden. Das Verbot der wirtschaftlichen Betätigung und der Zwangsarisierung des Immobilien- und Landbesitzes wirkte insbesondere auch für die jüdische Landbevölkerung verheerend. Hier wurde das Zerstörungswerk bereits mit den Novemberpogromen vollendet. Korn wies darauf hin, dass sich das himmelschreiende Unrecht der „Arisierung“ wohl nie im Sinne der Opfer oder deren Nachkommen wird lösen lassen. Gleichwohl dankte er Minister Schäuble, dass er sich „als einer der Väter des Einigungsvertrages in Bezug auf die Rückerstattung des früheren Eigentums deutscher Juden für eine von der Hoffnung auf Ausgleich getragene(n) Lösung eingesetzt habe“. Erschütternd waren die Ausführungen Korns über den „wirtschaftlichen Nutzen“ der aus den Gaskammern der Vernichtungslager  gezogenen Leichen als Lieferanten von Zahngold, Echthaar, Fettgewebe und Haut und sogar noch ihrer Asche als Düngemittel.

 

Ich glaube, dass die Veranstaltung im vom 12.November 2013, die musikalisch von dem weltbekannten südafrikanisch-britischen Violinisten Daniel Hope, dessen Wurzeln großelternseits auch in Berlin gründen, mit Stücken von Erwin Schulhoff und Johann Sebastian Bach eingerahmt wurde, ein wichtiger Baustein gewesen ist, um diesen grauenhaften Abschnitt deutscher Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Es war auch Daniel Hope, der das Gedicht „Als ob“ des 1944 in Theresienstadt ermordeten Leo Strauss vortrug und das die Lebenssituation im Ghetto beschreibt:

 

 

Als ob

Ich kenn ein kleines Städtchen,
Ein Städtchen ganz tiptop,
Ich nenn es nicht beim Namen,
Ich nenns die Stadt Als-ob,

Nicht alle Leute dürfen
In diese Stadt hinein,
Es müssen Auserwählte,
Der Als-ob-Rasse sein.

Die leben dort ihr Leben,
Als ob’s ein Leben wär,
Und freun sich mit Gerüchten,
Als ob’s die Wahrheit wär.

Die Menschen auf den Straßen,
Die laufen im Galopp-
Wenn man auch nichts zu tun hat,
Tut man doch so als ob.

Es gibt auch ein Kaffeehaus
Gleich dem Café de l’Europe,
Und bei Musikbegleitung
Fühlt man sich dort als ob.

 

Und mancher ist mit manchem
Auch manchmal ziemlich grob-
Daheim war er kein Großer,
Hier macht er so als ob.

Des Morgens und des Abends
Trinkt man Als-ob-Kaffee,
Am Samstag, ja am Samstag,
Da gibt’s Als-ob-Haché.

Man stellt sich an um Suppe,
Als ob da etwas drin,
Und man genießt die Dorsche,
Als Als-ob-Vitamin

Man legt sich auf den Boden,
Als ob das wär ein Bett,
Und denkt an seine Lieben,
Als ob man Nachricht hätt.

Man trägt das schwere Schicksal,
Als ob es nicht so schwer,
Und spricht von schönrer Zukunft,
Als obs schon morgen wär.

 

Zum Schluss möchte ich als Mitglied des Liebenberger Freundeskreises Libertas den Lichtblick unserer Geschichte – so düster er auch war - doch hervorheben, dass Minister Schäuble in seiner Rede auch den Widerstand von Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack erwähnt hat, die beide für ihre Haltung bitter mit dem Tode büßen mussten.

 


 

When the Red Orchestra Fell Silent

On Feb. 15, 1943, a green police wagon left Charlottenburg Women’s Prison in Berlin, making its way through streets pockmarked by Allied bombs to the infamous execution center at Plötzensee. The handcuffed prisoner, a 40-year-old American woman, scholar, journalist, lecturer, teacher and translator named Mildred Fish Harnack, was led to a first-floor death cell. She was beheaded the next day.

Then, for many years, Mildred’s reputation — like those of many who resisted Hitler in Germany before and during World War II — became hostage to the Cold War. In the West she was depicted as a Soviet spy, in the East as a Marxist saint. But she was neither, and only after the Berlin Wall came down and secret files were declassified was Mildred’s humanity restored, as poignantly defined by her final hours.

She spent them translating lines of Goethe into English and receiving a welcome visit from Harald Poelchau, the prison pastor who had borne witness to the execution of a thousand resisters — including men and women belonging to the Harnack-Schulze-Boysen group or those caught in the failed July 20 conspiracy to assassinate Hitler.

They discussed the Bible, then Goethe, and finally Poelchau described her husband’s brave end three days before Christmas. Arvid Harnack’s petition to see Mildred before his execution had been denied. During his final hour, Arvid asked if the chaplain could recite “Prologue in Heaven” from Faust. And as Poelchau prepared to leave, Arvid asked him to join in singing the chorale, “I Pray to the Power of Love.”

In his last letter to his wife, Arvid wrote that “despite everything,” he looked back on a life in which “the darkness was outweighed by the light” largely because of their marriage. He recalled that their “intense work” meant that their life was never easy.

After Hitler’s rise to power, the couple had founded an underground group that helped imperiled Jews, assisted forced laborers, documented and archived Nazi acts of violence, especially in occupied areas in the East, and distributed anti-Hitler pamphlets.

Mildred used her work as an English instructor to recruit resisters to travel abroad to assist potential émigrés. Her close friendship with Martha Dodd, the daughter of the American ambassador, William Dodd, enabled her to obtain elusive visas to the United States.

Mildred had met Arvid, a German student in the United States on a Rockefeller Fellowship, while a graduate student at the University of Wisconsin in Madison. Following their marriage, the couple in 1929 settled in Germany, where they gathered a study group of artists, writers, academics and government officials. After 1933, this literary salon became a network of resisters, and in 1940, Arvid Harnack established contacts with Soviet intelligence

The group, subsequently named “Red Orchestra” by the Gestapo to underscore its ties to Soviets, was led by Arvid, by then an official in the Economics Ministry, and by Lt. Harro Schulze-Boysen, a member of Hermann Goering’s staff.

For nine months, the group provided vital military information to Moscow in the run-up to the June 1941 invasion of the Soviet Union. During the same period, Arvid Harnack met regularly with the first secretary of the American embassy, Donald Heath, for long walks in Berlin’s parks and forests, using their wives as cover. Thus Arvid kept Washington informed on the state of the Third Reich’s economy, its trade agreements, rearmament and war plans.

On two trips to the United States in 1938 and 1939, Arvid Harnack (with Heath’s help) met with Treasury officials and passed information about German assets in the United States.

After the Germans intercepted a radio communication, 120 persons were arrested by the Gestapo. Mildred and Arvid were arrested on September 7, 1942. After a secret trial, Arvid was sentenced to death. Mildred received a sentence of six years hard labor for “the preparation of high treason and espionage.” Hitler heard this after the German defeat at Stalingrad and refused to confirm the sentence. She was retried and sentenced to death.

Mildred’s last words, before she was executed on Feb. 16, 1943, were: “And I have loved Germany so much.”

For many years after the war, resisters remained suspect in West Germany, unwelcome reminders that opposition had been possible. Members of the Harnack-Schulze-Boysen group were dismissed as Soviet spies. By contrast, East Germans celebrated them as anti-fascist heroes who lent a measure of legitimacy to the Soviet-imposed regime.

After German reunification in 1990, I was able to obtain intelligence files from the United States, Russia and several East German archives, and to interview relatives and survivors. German scholars and I were able to piece together material that allowed a more nuanced account of the activities of the group. The “Red Orchestra” group came to be known as the “Harnack-Schulze-Boysen” group.

Two streets in Berlin and in Giessen — where Mildred received her doctorate — were named after her; memorial plaques dedicated to both Harnacks have appeared on public buildings in the German capital.

In 2007, the German artist Franz Rudolf Knubel, with the help of students of the Mildred Harnack High School in Berlin, created a memorial exhibit inspired by Mildred’s translations of Goethe. The exhibit was shown in Berlin and other German cities, as well as at the Hillel Foundation in Madison and at Milwaukee’s Jewish Museum. In 2011, Wisconsin Public Television aired a one-hour documentary film about her. Sept. 16, the date of her birth, has been designated Mildred Harnack Day in Wisconsin.

Many letters by members of the group have now been published. They include Schulze-Boysen’s final letter to his parents. “It is common in Europe for spiritual seeds to be sown with blood,” he wrote. “Perhaps we were simply a few fools; but when the end is this near, one perhaps has the right to a bit of completely personal historical illusion.”


 

 

 Berlin, 22.Dezember 2012

70. Jahrestag der Ermordung der Mitstreiter der Roten Kapelle

Es war kalt an diesem Vormittag. Die frostigen Temperaturen unterstrichen die Trostlosigkeit dieses grausamen und blutgetränkten Ortes - die Hinrichtungsstätte Plötzensee - ! Die Menschen, die an diesem Samstag, 2 Tage vor dem Heiligen Abend an diesem Ort zusammenkamen, verband das Gedenken an die ersten Mordopfer der Roten Kapelle durch die Nazijustiz.

In den Abendstunden des 22.Dezembers 1942 wurden  Rudolf von Scheliha, Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack, Kurt Schuhmacher und John Graudenz durch den Strang und Horst Heimann, Hans Coppi, Kurt Schulze, Ilse Stöbe, Libertas Schulze Boysen und Elisabeth Schumacher durch das Fallbeil ermordet.

In der Hinrichtungsstätte herrschte Schweigen. Blumengebinde wurden abgelegt, so auch ein Gebinde mit Schleife von unserem Verein. Ca. 50-60 Personen nahmen an dieser Gedenkveranstaltung teil. Um 11 Uhr begrüßte der Bundesminister a. D. Wolfgang Tiefensee, MdB, die Teilnehmer, die sich zu dieser Gedenkstunde eingefunden hatten. Er erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass die „ Rote Kapelle“ keine Eigenbezeichnung der Widerstandskämpfer war, sondern die Aktenbezeichnung der Gestapo. Was diese Gruppe auszeichnete, so Tiefensee, war: „Sie haben nicht weggeschaut, sie haben sich empört. Sie hatten Mut. Die Erinnerung daran haben nicht nur die Jugend nötig, sondern wir alle.“ Prof. Dr. Tuchel  wies in seiner Gedenkrede darauf hin, dass dieser Prozess nichts mit demokratischer Rechtsstaatlichkeit zu tun hatte.

Am 10. Dezember 1942, also vor Prozessbeginn, wurde die Halle auf die Ermordung vorbereitet . Der Stahlträger mit den fünf Haken wurde eingebaut.

Es handelte sich um einen von Hitler angeordneten Justizmord. Prof. Dr. Tuchel ging auch der Frage nach, warum Hitler diese Gruppe derart mit seinem Hass verfolgte. Viele Mitstreiter entsprachen Hitlers Vorstellung der neuen Machtelite,  dass gerade aus diesen Reihen Widerstand kam, war Hitler unerträglich. Einige waren Funktionsträger in Nazideutschland. Harro Schulze-Boysen im Reichsluftfahrtministerium, Arvid Harnack im Wirtschaftsministerium usw.

Prof. Dr. Tuchel entlarvte einmal mehr die Lüge, dass die Rote Kapelle eine sowjetische Spionageorganisation war. Schließlich ein Gedanke Tuchels, der mich besonders bewegte. Die Frauen und Männer der Roten Kapelle kämpften weiter, obwohl sie wussten, dass sie ihr Ziel nicht mehr erreichen werden. Sie wussten also, dass die Früchte ihres Engagements erst die Nachgeborenen ernten werden. Diese Tatsache nimmt uns in die Pflicht. Es war eine bewegende und sehr würdige Gedenkstunde, für die ich sehr dankbar bin. Unser Verein war mit 6 Teilnehmern gut vertreten.

 


Der Herr der Ringe

Herrn Helmut Roewers Umwälzung der Geheimdienstgeschichte des Zweiten Weltkriegs 

 

rezensiert von Hans Coppi/Winfried Meyer

 


 

Die Oper "Der Kaiser von Atlantis"  von Victor Ullmann und Peter Kien

Die Oper „Der Kaiser von Atlantis“ oder „Die Todverweigerung“ stammt von dem schlesischen Komponisten Viktor Ullmann (1898-1944). Ullmann und sein junger Librettist Peter Kien (1919-1944) schrieben und komponierten diese Kurzoper im KZ Theresienstadt. Viktor Ullmann war in den 20-30iger Jahren ein gefragter Musiker und Kapellmeister. Eine gewisse Zeit arbeitete er auch als Buchhändler kehrte aber dann wieder als freischaffender Musiker und Komponist nach Prag zurück. 1942 wird er auf Grund seiner jüdischen Abstammung nach Theresienstadt deportiert, dort leitet er die von den Nazis eingerichtete Sektion für "Freizeitgestaltung". Ullmann kümmert sich mit anderen Künstlern um Musikabende, Theateraufführungen und Konzerte. In dieserDie Oper „Der Kaiser von Atlantis“ oder „Die Todverweigerung“ stammt von dem schlesischen Komponisten Viktor Ullmann (1898-1944). Ullmann und sein junger Librettist Peter Kien (1919-1944) schrieben und komponierten diese Kurzoper im KZ Theresienstadt. Viktor Ullmann war in den 20-30iger Jahren ein gefragter Musiker und Kapellmeister. Eine gewisse Zeit arbeitete er auch als Buchhändler kehrte aber dann wieder als freischaffender Musiker und Komponist nach Prag zurück. 1942 wird er auf Grund seiner jüdischen Abstammung nach Theresienstadt deportiert, dort leitet er die von den Nazis eingerichtete Sektion für "Freizeitgestaltung". Ullmann kümmert sich mit anderen Künstlern um Musikabende, Theateraufführungen und Konzerte. In dieser Zeit entstehen über 20 Werke.  „Der Kaiser von Atlantis“ entstand für ein im Lager gegründetes Kammer-Ensemble, zum einen zur Ablenkung vom Lageralltag. Andererseits nutzte Ullmann die Gelegenheit, mehr oder weniger verschlüsselt, die politischen Umstände seines Daseins und ihrer Zeit zu verarbeiten. Die Proben zu der Oper, in welcher der Tod in Zeiten diktatorischer Todesmaschinerien seinen Dienst verweigert, mündeten in Zensur - nach der Generalprobe, wo erstmals das Werk im Ganzen zur Aufführung gelangte, wurden alle Mitwirkenden postwendend ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und innerhalb weniger Tage ermordet. Der einzige Überlebende - Ironie der Geschichte - war der Darsteller des Todes (Karel Berman). Das diese Werk überhaupt erhalten geblieben ist, ist ein reiner Zufall. Auf einem Dachboden in Amsterdam fand man es wieder. Hier gelangte das Werk 1975 zur Weltpremiere, es folgten weltweit sehr verschiedenartige Inszenierungen aufgrund unterschiedlicher überlieferter Manuskript-Fassungen. 

Das Thema der Oper ist bildhaft und aussagekräftig: Der Kaiser von Atlantis herrscht als Tyrann über sein Land und führt Krieg, weil er sich bereichern und größere Macht gewinnen will. Dem als Person auftretenden Tod befiehlt er, die feindlichen Soldaten niederzustrecken. Aber der lehnt das ab, verweigert sich ganz und streikt. Nun stirbt überhaupt niemand mehr. Das Leben verfällt in Lähmung ohne den Tod, der Kaiser kann nichts mehr ausrichten, sein Land versinkt im Chaos. Verzweifelt fleht der Herrscher in seiner Ohnmacht den Tod an, mit seinem Werk doch wieder fortzufahren. Aber vergeblich. Am Ende willigt der Tod schließlich ein, seine Rolle wieder zu spielen, stellt aber zur Bedingung, dass der Kaiser das erste Opfer sein soll.

Der Kaiser von Atlantis wurde als Kammeroper für sieben Sänger und dreizehn Instrumentalisten ohne Chor komponiert.

Am 11. November 2011 wird in Halle (Steintor-Varieté) wird ein weiteres Stück von Ullmann „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke. Zwölf Stücke aus der Dichtung Rainer Maria Rilkes“ unter dem MDR Sinfonieorchester aufgeführt.

Über Peter Kein ist im Damm und Lindlar Verlag 2008 ein Buch erschienen: Peter Kein. Bilder und Gedichte 1933-1944

 


"Cato Bontjes van Beek" von Hermann Vinke erschienen im Btb-Verlag

Bei dem 1. Januskopfsymposium der Deutschen Kreditbank AG am 21.11.2004 in Liebenberg stellte Hermann Vinke aus Bremen sein Buch „Cato Bontjes van Beek“ vor.

Herrn Vinkes Buch – eine Biographie -  war interessant und begeisternd vorgetragen, dass es mich neugierig machte, dieses Buch einmal selbst zu lesen, was ich dann auch tat.

Mit ausschlaggebend dafür war auch, dass der jüngere Bruder von Cato ebenfalls in Liebenberg war. Tim Bontjes van Beek – ein Zeitzeuge – erzählte von seiner Schwester und brachte sie dadurch allen Zuhörern sehr nah.

Hermann Vinke beschreibt in seinem Buch das Aufwachsen von Cato mit ihren Geschwistern in Fischerhude bei Bremen. Fischerhude war und ist heute noch ein bekanntes Künstlerdorf. Da auch Cato´s Eltern Künstler waren, ist es daher nicht verwunderlich, dass die Familie van Beek dort lebte. Die Mutter war Tänzerin (Ausdruckstanz), der Vater war Keramiker. Cato wuchs in einer Familie auf, die sehr weltoffen war. Viele Künstler gingen dort ein und aus. Sie wurde mit Musik, der Malerei und Bildhauerei groß. Wie in einer Biographie üblich, beschreibt also Hermann Vinke das Heranwachsen von Cato, die Beziehung zu ihrer Schwester Mietje und ihrem Bruder Tim. Er berichtet von der Trennung der Eltern und wie Cato dann bei ihrem Vater in Berlin lebt, um eine kaufmännische Ausbildung zu machen. Später lernt sie bei ihrem Vater in der Keramikerwerkstatt. In Berlin kommt es dann auch zu Kontakten mit der Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen. Wie es dann weiter geht mit Cato, ihre Verhaftung und ihr Sterben ist bewegend von Hermann Vinke dokumentiert. Deshalb ist diese Biographie über Cato Bontjes van Beek empfehlenswert zu lesen. Wer sich für Personen des Widerstandes interessiert, sollte Cato auf diesem Weg kennen lernen.

 Stefan Steger (Mitglied es Vereins)

 

"Die Rote Kapelle" von Anne Nelson erschienen im Bertelsmann Verlag

 Die amerikanische Buch- und Theaterautorin Anne Nelson hat nach jahrelanger Recherche das Buch „Die Rote Kapelle“ geschrieben. Es ist bei C. Bertelsmann erschienen. Anne Nelson fragt nach Motiven und Hintergründen der Menschen, die sich in den Gesprächskreisen und schließlich am Widerstand gegen die Nazidiktatur beteiligten. Von besonderem Interesse war ihr dabei Greta Kuckhoff. Wesentlich aus der Perspektive von Greta Kuckhoff zeichnet sie den Weg der „Roten Kapelle“ nach. Besonders verdienstvoll ist die Breite, mit der sie die Thematik des deutschen Widerstandes schildert. Der „Kreisauer Kreis“ kommt ebenso wie die „Weiße Rose“, der militärische wie der bürgerliche und kommunistische Widerstand zur Sprache. Die Autorin hütet sich vor ideologischer Klassifizierung des Widerstandes. Sie zeigt die unterschiedlichsten Verbindungslinien zwischen den Widerstandsgruppen auf. Sie endet nicht mir der Ermordung der Mitstreiter der „Roten Kapelle“, sondern bezieht die unmittelbare Geschichte nach dem Ende des 2. Weltkrieges mit ein. Sie zeigt die Ängste der Überlebenden und Angehörigen der „Roten Kapelle“ in Westdeutschland und den Weg der ideologischen Instrumentalisierung des Widerstandes in Ost und West.

 Dieses Buch gehört aus meiner Sicht zu den wichtigen literarischen Beiträgen über das Thema „Rote Kapelle“. Ich kann mich Dr. Tuchels Aufforderung bei der Vorstellung des Buches durch die Autorin in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand voll anschließen:  Kauft es!

gelesen und kommentiert von Achim Rinn