Heinz Harro Max Wilhelm Georg Schulze-Boysen

(* 2. September 1909 in Kiel; † 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee)

Schulze-Boysen war ein Sohn des Marineoffiziers Erich Edgar Schulze und dessen Frau Marie Luise Boysen. Seine Jugend verbrachte er in Duisburg. Er studierte Rechtswissenschaft an den Universitäten Freiburg (1928/1929) und Berlin (1929–1931, ohne Abschluss). Auslandsaufenthalte in Schweden, Großbritannien und Frankreich erweiterten seinen geistigen Horizont. Er hatte zwei Geschwister, Helga und Hartmut.

Als Schüler am Steinbart-Gymnasium in Duisburg beteiligte er sich 1923 am Untergrundkampf gegen die französische Ruhrbesetzung und wurde zeitweise von den Besatzungstruppen inhaftiert. Nach dem Abitur 1928 wurde er Mitglied des nationalliberalen Jungdeutschen Ordens und einer schlagenden Verbindung; 1930 unterstützte er die intellektuell-nationale Gruppe Volksnationale Reichsvereinigung, an deren Spitze Artur Mahraun stand. Diese Vereinigung des bürgerlichen Lagers führte dann 1930 zur Gründung der Deutschen Staatspartei. Zeitweise war Schulze-Boysen auch Mitglied von Otto Strassers Schwarzer Front.

1931 lernte Schulze-Boysen bei einem Frankreich-Aufenthalt französische Intellektuelle im Umfeld der Zeitschrift Plans kennen, unter deren Einfluss er sich politisch nach links orientierte. 1932/1933 gab er nach dem Vorbild von Plans die 1931 von Franz Jung wieder gegründete linksliberale Zeitschrift „Der Gegner“  heraus, an der unter anderen Ernst Fuhrmann, Raoul Hausmann, Ernst von Salomon, Adrien Turel und Karl Korsch mitarbeiteten. Er versuchte mit dem Gegner-Kreis, zu dem auch Robert Jungk, Erwin Gehrts, Kurt Schumacher und Gisela von Poellnitz gehörten, eine eigenständige Jugendbewegung zu entwickeln und begann damit, in Berliner Cafés „Gegner-Abende“ zu veranstalten. „Es gab kaum eine oppositionelle Jugendgruppe, mit der er nicht Kontakt hielt.“

Das Sowjetsystem begann ihn stärker zu interessieren. Diese Wendung war auch beeinflusst durch die Enttäuschung über die nationalen und konservativen Parteien, die seiner Meinung nach den aufkommenden Nationalsozialismus nicht genügend scharf bekämpften. 

Die Machtübernahme durch Hitler hielt er für wahrscheinlich, glaubte aber an dessen baldigen Sturz durch einen Generalstreik. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden die Redaktionsräume des Gegner am 20. April 1933 von SS-Schlägern zerstört, die Redaktionsmitglieder wurden in ein Sonderlager der 6. SS-Standarte verschleppt, Schulze-Boysen wurde misshandelt und mehrere Tage lang festgehalten. Die Nazi-Schlägertrupps ermordeten dabei vor seinen Augen seinen Freund und Mitstreiter Henry Erlanger, der Jude war.

Da der geplanten eigenständigen Karriere in der Politik damit ein Ende gesetzt war, begann er im Mai 1933 eine Fliegerausbildung in Warnemünde und arbeitete ab 1934 in der Nachrichtenabteilung des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) bei Berlin. Äußerlich passte er sich an die Diktatur an, blieb jedoch innerlich bei seiner ablehnenden Haltung.

Ab 1935 sammelte er einen Kreis linksgerichteter Antifaschisten um sich, darunter viele seiner Freunde aus dem Gegner-Kreis. Der Kreis verbreitete Flugblätter, die sich gegen die Diktatur richteten. Am 16. Juli 1936 heiratete er in Liebenberg Libertas Haas-Heye. 1938 erhielt er durch die Vermittlung von Adam Kuckhoff wieder Kontakt zu Arvid Harnack und dessen Kreis. Auch zu den Kommunisten um Hilde und Hans Coppi wurde die Verbindung wieder enger.

1940 begann er parallel zu seiner Tätigkeit im RLM ein Studium an der Auslandswissenschaftlichen Fakultät der Berliner Universität. Gegen Ende dieses Studiums leitete er selbst ein auslandswissenschaftliches Seminar. Durch das passive Verhalten Großbritanniens vor dem Kriegsbeginn und die Erfolge Hitlers 1940 im Westen beeinflusst, sah er in der Sowjetunion den einzigen ernsthaften Gegner Deutschlands. Er las die Schriften Lenins und fand sich in der Ansicht bestätigt, dass der Kapitalismus am Ende sei.

Ab 1940 gab Schulze-Boysen militärische Informationen über Alexander Korotkow an die Sowjetunion weiter, zeitweise auch über das sowjetische Generalkonsulat in Finnland. 1941 wurde er zum Oberleutnant befördert.

Das Widerstandsnetz wurde Rote Kapelle genannt. 1940/41 hatte die Gruppe Kontakt mit sowjetischen Botschaftsangehörigen und versuchte so, vor dem bevorstehenden deutschen Überfall auf die Sowjetunion zu warnen.

Im Juli 1942 wurde ein Telegramm aus Moskau nach Brüssel durch die Gestapo dechiffriert, in dem neben seinem Namen auch seine Adresse stand. Am 31. August wurde Harro Schulze-Boysen in seinem Büro im RLM verhaftet, Libertas, die in Panik geriet, als er am Abend nicht heim kehrte und zu vielen Freunden lief, erst einige Tage später. Am 19. Dezember wurde er wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Landesverrats“ zum Tode verurteilt und auf Befehl Hitlers am 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee erhängt.